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Berlin - Haus Schwarzenberg

ChristlMistl | Mittwoch, 25. Mai 2016 | / |

Ehe man sich versieht, ist man auch gerne schon wieder am Haus Schwarzenberg vorbeigelaufen. Etwas versteckt liegt dieser unsanierte mit ganz viel Charme gespickte und denkmalgeschützte Gebäudekomplex aus dem 18. Jahrhundert in der Rosenthaler Straße zwischen den Hackeschen Höfen sowie Rosenhöfen. 1995 wurde er vom Verein Schwarzenberg gepachtet, welcher seitdem Räume an Kunstschaffende vermietet. 


Historie

Erbaut wurde das Haus 1769 im Auftrag eines Fabrikanten und wurde zunächst als Wohnhaus genutzt und 1787 sowie 1831 um eine Messerschmiede sowie Arbeiterwohnungen erweitert. 1864 erfolgte ein viergeschossiger Neubau sowie der Bau der hinteren Hofareale aufgrund der Industrialisierung und der damit verbundenen gestiegenen Nachfrage. In den 1920er beherbergte das Haus eine Wäscherei, dessen Aufschrift "Gebr. Majanz" noch heute zu sehen ist.

1927 wurde das Haus zwangsversteigert und zwar an die Druckereihof AG, dessen Hauptaktionär der jüdische Rechtsanwalt Ernst Wachsner war. Ihm wurde Mitte der 1930er auch das Haus übertragen. Er richtete dort einen Mittagstisch für Notleidende Juden ein. Zudem führte der Kleinfabrikant und überzeugte Pazifist sowie Gegner des Nationalsozialismus Otto Weidt im linken Gebäude des ersten und zweiten Hofes eine Bürsten- und Besenwerkstatt, die vorwiegend blinde und taubstumme Juden beschäftigte. Im Zuge der "Arisierung" wurde des Gebäude 1940 dann zwangsverkauft. Als ab 1941 immer mehr Juden aus Berlin deportiert wurden, versuchte Weidt sie als "kriegswichtig" für die Produktion erklären zu lassen, verschaffte ihnen neue Identitäten oder versteckte sie. Nach dem Krieg versuchte Ernst Wachsner sein Eigentum vergebens zurückzufordern. In der Folgezeit, also zu Zeiten der DDR, wurden die Räumlichkeiten allesamt gewerblich genutzt u.a. durch den Verband der Film- und Fernsehschaffenden.

Erst mit dem Fall der Mauer und der Wiedervereinigung wurde das Gebäude wieder an die Erbengemeinschaft Wachsners übertragen, die es dann zum Verkauf anbot - es dauerte drei Versteigerungsphasen bis Haus 2004/5 mit Geldern des Bundes und der Lotto-Stiftung ersteigert wurde. Selbst der damalige Bundespräsident Johannes Rau setzte sich für den Erhalt ein. Seit 1995 hat der Verein Schwarzenberg dieses Areal gepachtet.

Das Haus Schwarzenberg ist somit ein historischer Ort, der bis heute seine lange Geschichte anschaulich dokumentiert während um ihn herum alles fein herausgeputzt und saniert wurde. Daher erstaunt es schon ein wenig, dass in Zeiten, wo Immobilienmärkte und Gentrifizierung das Berliner Bild prägen, dieser Ort erhalten blieb und somit seine Authentizität behalten durfte.


Heute

Heute beherbergt dieser Ort Ateliers vieler Künstler wie beispielsweise die vereinseigene Galerie "Neurotitan", in die man über ein mit Tags, Postern sowie Graffitis bestücktes Treppenhaus im ersten Obergeschoss des Hinterhauses gelangt. Hier werden vor allem junge Künstler ausgestellt, die die Berliner Kunst- und (Sub-)Kulturszene widerspiegeln.

Darüber hinaus beherbergt dieses Areal den Künstlerclub "Eschschloraque Rümschrümp", der elektronische, auch experimentelle bis hin zu Balkanmusik spielt. Auch das Kino Central schließt sich diesem Ort an, welches vor allem Arthouse, Filmklassiker und ein umfangreiches Kinderfilmprogramm auf den Spielplan hat. Sehenswert ist auch das Monsterkabinett, welches skurrile Automatenkreaturen beherbergt, die ordentlich Krach machen können.

Neben dem Künstlerbetrieb beherbergt dieser Komplex zudem das Museum "Blindenwerkstatt Otto Weidt", das Anne Frank Zentrum sowie die Gedenkstätte "Stille Helden". Abgesehen von den vermieteten Räumlichkeiten, die viel Aktivitäten bieten, sind die Höfe an sich schon einen Besuch wert. Auf bröckelnden, unverputzten Wänden tummeln sich bunte Tags, Graffitis und zentimeterdicke Posterschichten, die einen zeitlichen Wandel unterliegen - der nächste Besuch kann demnach auch wieder Neuentdeckungen mit sich bringen.

Kurzum ist das Haus Schwarzenberg ein Ort, der etwas heruntergekommen und verwegen Raum für Freiheit, Kreativität und Selbstbestimmung abseits der ganzen Hochglanzfassaden bietet ohne dabei seine bewegte Geschichte zu vergessen.


Anreise

Rosenthaler Straße 39
10178-Berlin Mitte

S-Bahn: Hackescher Markt
U-Bahn: Weinmeisterstraße
Tram: Gipsstraße

Kommentare :

  1. das sieht unglaublich interessant aus! schön, dass du so einen Ort vorstellst :) ich werd's für das nächste Mal Berlin abspeichern.

    Liebe Grüße Katrin

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  2. Das sieht wirklich hübsch aus. Und fancy. Und abgefahren. Aber hübsch!

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