10. Juni 2016

Das Plastikproblem und wie ich meinen Plastikkonsum reduziert habe


Zum ersten Mal in Kontakt mit der Plastikproblematik kam ich im März 2013 in Hamburg. Ich besuchte nämlich das Museum für Kunst und Gewerbe eigentlich wegen der Alexander McQueen-Ausstellung, die mich aber nicht sonderlich begeistern konnte. Was jedoch einen nachhaltigen Eindruck hinterließ, war die zeitgleich stattfindende Ausstellung "Endstation Meer? - Das Plastikmüll Projekt", die den Fokus auf unseren täglichen Konsumwahn und dessen Folgen für die Umwelt legte und auch Lösungsmöglichkeiten aufzeigte. Seitdem fand bei mir zunehmend ein Umdenken in meinen eigenen Konsumgewohnheiten statt und so reduziere ich zusehends immer mehr meinen Plastikverbrauch. Während 2013 manchmal nach zwei Tagen mein Beutel für den Plastikabfall berstens voll war, reicht er heute mindestens einen Monat. 

Klar fielen mir vorher immer wieder Plastikabfälle in Seen, in der Natur, auf dem Asphalt oder in Berlin in der Spree auf und ich fand das schon damals immer ärgerlich, aber wirklich hinterfragt habe ich das nie. Denn auch wenn ich schon 2013 meinen Müll immer fein säuberlich trennte und nie auf die Idee kam, meinen Dreck einfach in der Öffentlichkeit liegen zu lassen, so war ich dennoch Teil der Plastikproblematik - schließlich konsumierte ich Plastik ohne über die Folgen nachzudenken.

Daher versuche ich heute einen kleinen Überblick über die gesamte Problematik und von mir mittlerweile gelebte Lösungsvorschläge zu geben. Wer danach noch mehr in die Thematik einsteigen mag, dem habe ich am Ende des Posts lesenswerte Links dagelassen. So, dann wollen wir mal loslegen!

Zahlen & Fakten

In den letzten 10 Jahren wurde mehr Plastik produziert als im gesamten vergangenen Jahrhundert.
Für die Herstellung von z.B. 1 Kilogramm Plastik wird mindestens die doppelte Menge an Öl benötigt. 
Darüber hinaus gelangen bei der Verbrennung von 1 Kilogramm Plastik ganze 3 Kilogramm CO2 in die Atmosphäre.
50% des Plastiks werden nur einmal verwendet und anschließend entsorgt.
35% des Kunststoffverbrauchs gehen allein auf das Konto für die Herstellung von Verpackungen.
Weltweit werden jährlich rund 500 Milliarden Plastikbeutel verwendet. Das macht ca. 1 Million pro Minute.
In Deutschland werden ca. 6 Milliarden Plastiktüten pro Jahr verbraucht, wobei sie für lediglich 25 Minuten verwendet werden.
Allgemein sind wir mit 11,7 Millionen Tonnen in Sachen Plastikverbrauch die Nummer 1 in Europa.
Zwischen 1994 und 2003 hat sich die Kunststoffabfallmenge in Deutschland verdoppelt - der BUND vergleicht das Gewicht von derzeit 5,7 Millionen Tonnen mit zwei Cheops-Pyramiden.


Das Meer und seine Bewohner leiden, ...

... denn rund 6 Millionen Tonnen Müll, wovon das meiste Plastik ist, landen jährlich darin und sammeln sich oft in Meeresstrudeln an z. B. der Great Pacific Garbage Patch, der so groß ist wie Zentraleuropa. An anderen Stellen liest man allein von 8 Millionen Tonnen Plastik pro Jahr, das in unsere Meere gelangt (eine LKW-Ladung pro Minute). Laut BUND gibt es in weiten Teilen der Meere sechs mal mehr Plastik als Plankton, an einigen Orten beläuft es sich sogar auf 46 mal mehr. 

Darüber hinaus verfangen sich Meeresbewohner wie beispielsweise Seehunde, Fische oder Delfine regelmäßig in Müllteilen, Getränkekartons oder aufgegebenen Fischernetzen und verenden elendig. Teile von letzterem werden von Vögeln auch immer öfter zum Nestbau verwendet, in denen sich dann die Jungtiere verfangen können. 

Auch in den Körpern der Tiere lassen sich Plastikteile wiederfinden, denn es ist längst Bestandteil ihrer Nahrungskette geworden. So verwechseln beispielsweise Vögel Plastikabfälle mit Futter und verhungern im Zeitverlauf durch das scheinbar eintretende Sättegefühl. Jährlich sterben deswegen 1 Million Seevögel weltweit. 

Aber nicht nur die Plastikteile an sich sind problematisch, sondern auch die giftigen Stoffe, die im Produktionsprozess beigemengt und nun freigesetzt werden. Die Folgen sind bisher noch ziemlich unerforscht. Hinzu kommt noch die Mikroplastik-Problematik, auf die aber in einem separaten Post noch genauer eingegangen werden soll.

Nicht nur die Meere, sondern auch unsere heimischen Seen und Flüsse sind betroffen. Gerade Flüsse wirken wie ein Fließband, die geradewegs auch den Plastikmüll aus dem tiefsten Inland ins Meer befördern. Schätzungsweise stammen nämlich 80% des Mülls vom Land. Auch in unseren Seen lagert sich der Plastikmüll ab. Es existieren hierfür aber leider noch keine ausreichenden Daten.

ACHTUNG! Folgendes Video ist nichts für schwache Nerven.



Plastik wirkt sich auch auf unseren Körper aus

Bei der Herstellung werden dem Plastik meistens viele toxische Chemikalien wie Weichmacher (Phthalate) oder BPA beigesetzt, die mit der Zeit auch in unsere Lebensmittel übergehen und somit in unsere Körper gelangen. Wer bis jetzt aufmerksam mitgelesen hat, der weiß auch, dass das Problem mit dem Plastik in der Nahrungskette der Meeresbewohner nicht halt macht, denn von ihnen aufgenommene Schadstoffe resultierend aus der Plastikverschmutzung gelangen nicht nur in ihren Organismus, sondern auch in unseren, wenn wir sie gerade "genüsslich" verzehren.

Außerdem enthalten viele Kleidungsstücke synthetische Fasern, die giftige Chemikalien auf die Haut in unseren Körper übertragen können. So werden die Stoffe durch unseren Blutkreislauf verteilt und können allergische Reaktionen hervorrufen und Krebs begünstigen. 



Wie ich meinen Plastikkonsum reduziert habe

Kosmetik stelle ich mir nicht nur wegen der Plastikproblematik sondern auch wegen der ganzen Inhaltsstoffgeschichte zum Großteil selbst her, wie z.B. Deo, Zahnpasta bzw. -pulver, Reinigungsmilch, LippenpflegeCreme und andere kleine Beautyhelfer. Darüber hinaus kaufe ich Seifen unverpackt in fester Konsistenz.

Für jeglichen Einkauf, sei es für Lebensmittel oder für Kleidung, benutze ich schon lange Jutebeutel. Dass nun viele Läden Geld für Plastiktüten einfordern, finde ich richtig - es müsste nur noch teurer sein!

Gemüse und Obst kaufe ich lose und unverpackt auf dem Wochenmarkt, beim regionalen Erzeuger oder im Bioladen. Da ich aber viel in der Heimat bin und meine Mutti bei der Gartenarbeit begeistert unterstütze, bin ich bzw. sind wir vor allem im Sommer/Herbst unabhängig von den Angeboten im Lebensmittelmarkt, da wir vieles selbst anbauen und uns somit mehr als gut versorgen können. Das ist eines der schönsten Gefühle. Tomaten, Blaubeeren, Salate, Kräuter, Gurken und Erdbeeren wachsen mittlerweile auch auf meinem Balkon.

Überschüssiges wird zu Marmelade, Kompott oder Apfelmus eingekocht, anderes wiederum eingeweckt oder eingefroren. Dafür wiederverwenden wir meistens Schraubgläser. 

Kakao oder Tee to go in Papp- oder Plastikbechern gibt es bei mir nicht. Ich nehme mir entweder die Zeit und setze mich hin, um ihn genüsslich aus der Tasse zu trinken oder ich trinke ihn zu Hause. Im Winter habe ich einen Thermobecher bei mir, in dem ich mir das heiße Glück entweder zu Hause selbst abfülle oder mir in einem Café abfüllen lasse.

Ich trinke Leitungswasser und fülle mir es für unterwegs in einer Glasflasche ab. Gerne hätte ich eine Edelstahlflasche, da sie somit leichter wäre.

Milch und Joghurt kaufe ich in Gläsern im Bio-Markt und bringe sie dann nach Benutzung wieder zurück in den Laden (Pfand!).

Schraubgläser, auf denen kein Pfand steht, benutze ich weiter als Vase, Behälter für Trockenerzeugnisse wie Salz, Müsli, Körner etc. oder benutze sie zum Einwecken.

Fertiggerichte verursachen Unmengen an Verpackungsmüll. Das einzige Fertiggericht, das ich mir nur noch sehr, sehr selten leiste, sind diese Minipizzen. Ansonsten kommt nur noch frisch gekochtes auf den Tisch. Ist eh gesünder und man weiß, was drin ist.

Ich backe mein Brot meistens selber und verzichte somit auf den Verpackungsmüll sowie fragwürdige Inhaltsstoffe, die dabei einher gehen. Vor kurzem habe ich erst erklärt, wie man leckeres Bauernbrot bäckt. Manchmal kaufe ich auch beim Biobäcker mein Brot mit dem demeter-Siegel, dafür habe ich dann einen Brotbeutel.

Wenn ich Reste in den Kühlschrank stelle, dann decke ich es nicht mehr mit Plastikfolie ab, sondern mit einem umgedrehten Teller oder einem Bienenwachstuch. Somit verzichte ich auf schädliche Alu- bzw. Plastefolie.

Zur Gesichtsreinigung benutze ich einen Konjak-Schwamm, der aus reiner Pflanzenfaser besteht und somit kompostierbar ist, oder Baumwoll-Handtücher. 

Ich shoppe nur noch selten Kleidung, da ich eh genügend Klamotten habe und wenn, dann nach der Prämisse Qualität vor Quantität. Secondhand, Flohmarkt, alte Kleidung aufwerten oder ein Blick in den Kleiderschrank der Eltern sind oftmals viel spannender. Darüber hinaus habe ich schon immer sehr darauf geachtet, dass meine Kleidung aus atmungsaktiven Naturmaterialen wie Baumwolle, Wolle, Seide oder Leinen besteht. Obwohl diese Stoffe auch nicht immer konfliktfrei sind, finde ich es immer noch besser so, als unzähliges Mikroplastik dank synthetischer Fasern in die Umwelt zu pumpen. Ich bestelle auch nicht mehr online, sondern gehe wenn gezielt in der Stadt einkaufen.
Essen für unterwegs nehme ich, wie zu Schulzeiten, in Brotdosen mit. 

Bei Reinigungsmitteln achte ich darauf, dass die Verpackung ökologisch abbaubar ist. Ein einfaches Hausmittel und wirksamer Reiniger ist der selbst gemachte Orangenessig.

Mein Biomüll kommt, wenn ich in meiner Wohnung bin, lose in die Biotonne bzw. wenn ich in der Heimat bin, auf den Kompost. Papiermüll wird lose in die Papiertonne geworfen und nicht schön zusammengehalten durch eine Plastiktüte (alles schon gesehen). Meinen Plastikmüll kann ich mittlerweile vier bis fünf Wochen sammeln. Allgemein achte ich sehr auf Mülltrennung.

Innovative Ideen, um dem Plastikproblem entgegenzuwirken




In der kleinen Video-Playlist sind zum einen Projekte, die das Meer von Plastik befreien sollen und zum anderen innovative Ideen/Alternativen zum Vermeiden von Plastik zusammengefasst. Wie Plastik zu wunderschönem Interior verarbeitet werden kann, zeigt auch das Projekt "PET Lamp", das alte PET Flaschen upcycelt zu neue wunderbare Lampen, die regionales bzw. kunstvolles Handwerk mit Umweltschutz und Nachhaltigkeit vereinen. 

Fazit


Je mehr ich darauf achte, desto mehr bemerke ich erst einmal, wie viel Plastik in jedem unserer Lebensbereiche steckt. Ich denke, ich bin zwar schon auf einem guten Weg, aber es gibt noch genügend Ecken in meinem Leben, in denen noch Plastik vorkommt. Meistens sind dies jedoch längerfristige Gegenstände wie Plastikdosen (aber wenigstens sind sie BPA frei), Küchenutensilien oder die Gießkanne. Sie von heute auf morgen zu verbannen und mit umweltfreundlichen Alternativen zu ersetzen, widerspricht meiner Auffassung von Nachhaltigkeit. Denn noch sind sie voll funktionsfähig und zu gebrauchen. Sie jetzt wegzuschmeißen wäre demnach fahrlässig. Also kommt in diesem Bereich nur eine schrittweise, bedarfsgerechte Anpassung infrage. Darüber hinaus "sündige" ich aber immer noch. Momentan benutze ich z. B. noch Schwämme zum Abwaschen oder Plastikzahnbürsten, für die ich aber auch schon nach Alternativen suche.

Manche mögen jetzt vielleicht damit kommen, dass man sich doch viel zu sehr einschränkt. Doch dem ist längst nicht so. Im Gegenteil schließlich muss man doch auf nichts verzichten. Das einzige, was uns im Wege steht, ist unsere Bequemlichkeit. Plastik freier zu leben, ist für mich ein befreiendes Gefühl. Ich tue nicht nur mir und meinem Körper dabei etwas Gutes, sondern auch der Umwelt. Ich lebe mittlerweile nach dem Motto, für das ich endlich die treffenden Worte nach einem Artikel auf blickgewinkelt fand:

"Wenn du denkst, dass du zu klein bist, um einen Unterschied zu machen, versuch, mit einer Mücke im Zimmer zu schlafen."




weiterführende Links:


Filmprojekt "A Plastic Ocean"
Plastic Garbage Project
"Wie Plastik in deutschen Gewässern zum Problem wird" von Utopia vom 16.05.2016
"Plastikmüll im Meer - was kann ich dafür?" von Utopia vom 22.07.2015
"Praktische Tipps zum Plastikverzicht: Der Einkauf - Teil 1" von Codecheck vom 12.03.2016
"Tipps zum Plastikverzicht: Körperpflege und Kosmetik - Teil 2" von Codecheck vom 13.03.2016
"Praktische Tipps zum Plastikverzicht: Die Küche - Teil 3" Von Codecheck vom 14.03.2016
"Praktische Tipps zum Plastikverzicht: Kleidung & Accessoires - Teil 4" von Codecheck vom 15.03.2016
"Praktische Tipps zum Plastikverzicht: Putzen und Waschen - Teil 5" von Codecheck vom 16.03.2016
"2050 mehr Plastik als Fisch im Meer" von Codecheck vom 22.01.2016
"Das kann kein Meer mehr schlucken: Unsere Ozeane versinken im Plastikmüll." vom WWF

Kommentare

  1. Mich nervt diese Plastiksache schon lange! Manchmal muss ich einfach nur den Kopf angesichts gewisser Verpackungen schütteln... neulich haben wir Tee gekauft. In Beuteln. Nur waren die noch mal einzeln in Plastik verpackt... wenn das mal irgendwo drauf gestanden hätte, hätte ich die nie genommen! Gerade solche Kleinigkeiten läppern sich einfach zusammen und so was abzuschaffen würde schon viel ausmachen.

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  2. Das ist wirklich ein Riesenproblem :-( Ganz schlimm finde ich ja die Plastiktüten.... sollten einfach komplett abgeschafft werden...

    Ein sehr interessanter Post!

    Liebste Grüße
    Julia

    http://stilblume.blogspot.de

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  3. Suuuper toller Artikel! Ich find's toll, dass du so viele Infos reingepackt hast - und wie wichtig es ist, dahingehend aufzuklären, zeigt allein deine Anmerkung zu in Plastiktüten verpacktem Papiermüll (-_-).

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  4. Du wirst es nicht glauben, aber ich habe mich am Freitag mit einer Kollegin genau über dieses Thema unterhalten - und diskutiert, was man denn selbst schon verändern und bewegen kann. Ich achte leider nur auf einige Punkte (keine Plastiktüten, keine Frischhaltefolie, unverpacktes Obst und Gemüse, weniger To-Go-Getränke), möchte das aber weiter ausbauen. Danke, Chrissie, für die Tipps und die ganzen hilfreichen Infos! Und das letzte Zitat? Genial, denn das bleibt als Leitspruch im Kopf! :)

    Liebste Grüße,
    Sara

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  5. danke für deinen interessanten Beitrag
    http://carrieslifestyle.com

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  6. Sehr informativer Beitrag der wirklich zum nachdenken anregt!

    Liebe Grüße
    Jimena von littlethingcalledlove.de

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  7. Ich liebe das Museum in Hamburg, das ist so toll. Als ich dort war, gab es ebenfalls eine ernste Ausstellung. Es ging um die Produktionsbedingungen in Entwicklungsländern wie Indien, China oder Malaysia.

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